Bauen und Begegnen e. V.

Neubau einer Multifunktionshalle zur beruflichen Ausbildung
Karai, Kenia

Bericht folgt

Unterstützung Projekt Vocational Centre der Kenia Hilfe

Ich heisse Gerda und bin pensionierte Lehrerin. Im Mai 2010 hatte ich die grosse Freude, im Vocational Centre der Kenia Hilfe Schwäbische Alb mitzuarbeiten. Meine Schülerinnen waren 12 junge Frauen im Alter von 15 -27 Jahren, 6 davon alleinerziehende Mütter, deren Lebenssituation besonders schwierig ist.

2 Beispiele für viele (Name geändert):

Ann: Ich bin die älteste von 6 Kindern. Mein Vater verließ meine Mutter vor 10 Jahren und hilft uns seitdem in keinster Weise. Wir haben ein kleines Maisfeld und meine Mutter verdient ein wenig durch gelegentliche Arbeiten. Mein Lebensgefährte starb während meiner Schwangerschaft, meine Schwiegereltern warfen mich hinaus und ich habe keinerlei Unterstützung. Nun lebe ich mit meinem Sohn wieder bei meiner Mutter. Das Schlimmste für mich ist, dass ich ihr, deren Leben so schwer ist, nicht helfen kann, sondern im Gegenteil auf ihre Hilfe angewiesen bin.

Mary: Ich war sehr verliebt und träumte von einer gemeinsamen Zukunft mit meinem Freund. Ich glaubte fest daran, dass wir heiraten würden. Aber als ich schwanger war, verließ er mich. Ich war verzweifelt und wollte weglaufen. Aber wo sollte ich hingehen? Ich bin noch nie aus meinem Dorf hinausgekommen. Ich lebe jetzt mit meiner Tochter bei meinen Eltern und Geschwistern. Es ist nicht leicht für mich, denn sie machen mir oft Vorwürfe und lassen mich spüren, dass ich sie enttäuscht habe. Meine Familie ist arm. Ich arbeite zu Hause wie eine Magd und muss froh sein, dass mein Kind und ich zu essen haben. Manchmal fällt es mir schwer, meine Tochter so zu lieben, wie ich eigentlich möchte.

In einer von Tradition und Männern dominierten Gesellschaft haben Mädchen besonders der ärmeren Bevölkerung generell sehr eingeschränkte Entfaltungsmöglichkeiten. Der vorbestimmte Weg eines Mädchens ist die Ehe und Mutterschaft. Für die meisten jungen Mädchen ist es deshalb die einzige Option, einen guten und möglichst gut situierten Mann zu finden, der auch den “Brautpreis” an die Familie bezahlen kann. Aber die Zeit des Verliebtseins und der Versprechungen endet mit einer ungeplanten Schwangerschaft nicht selten abrupt. Häufig verlässt der junge Mann die werdende Mutter. In der Folge fühlt sich der Vater des Kindes in keiner Weise verantwortlich und auch von keiner offiziellen Seite zur Verantwortung gezogen. Unterhaltsansprüche oder Unterhaltszahlungen wie wir sie kennen, gibt es nicht. So ist die junge Mutter ganz und gar sich selbst überlassen.

Auch in einer Gesellschaft, in der Kinder traditionell als Segen empfunden und auch für die Alterssicherung gebraucht werden, ist es nicht leicht, den oft armen Eltern wirtschaftlich zur Last zu fallen. Häufig laufen die schwangeren Mädchen weg und schlagen damit einen mehr als zweifelhaften Zukunftsweg ein. Auch Selbsttötungen sind keine Ausnahme. Erst seit kurzer Zeit hat die Regierung ein Gesetz erlassen, das es Eltern verbietet, ihre schwangere Tochter einfach auf die Strasse zu setzen.

Diesen jungen Frauen und Müttern die Hand zu reichen und ihnen eine Zukunftsperspektive zu geben, die sie eines Tages zu wirtschaftlicher Unabhängigkeit und Selbstbestimmung führen kann, ist das langfristige Anliegen des Vocational Projects.

Ich unterrichtete 3 Wochen lang folgende Themen:

Darüber hinaus legte ich den Schwerpunkt auf spezielle Frauenfragen/ Frauenprobleme. Dazu gehörten: Selbstuntersuchung als Methode zur Früherkennung von Brustkrebs, die HIV / AIDS -Problematik, sexueller Missbrauch (sogenannte sugar daddies) Gewalt gegen Frauen, Beschneidung und genitale Verstümmelung.

Mir war es wichtig, über die notwendigen Informationen hinaus den jungen Frauen meine Solidarität zu vermitteln und sie in ihrer Wertschätzung, Menschenwürde und Frauenrechten zu bestärken.

Die Aussage meiner Kollegin Grace: „Du bist keine Kollegin, Du bist eine Schwester“ und einer Schülerin: „Du hast uns Selbstvertrauen gegeben” waren für mich Geschenk und Bestätigung zugleich.

Ich bin glücklich und dankbar, dass mir die Kenia Hilfe Schwäbische Alb die Möglichkeit zur Mitarbeit gegeben, mir damit Vertrauen geschenkt und mein Leben sehr bereichert hat.

Dem Verein „Bauen und Begegnen”, der seit vielen Jahren unterschiedliche Hilfsprojekte unterstützt und dessen Mitglied ich bin, danke ich für die ideelle und finanzielle Unterstützung.

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