Bauen und Begegnen e. V.

Ein Waisenhaus für Nepal

Junghandwerker aus Reutlingen und Aalen im Einsatz

Tatkräftige Hilfe zur Selbsthilfe haben 22 Junghandwerker aus Reutlingen und Aalen in dem kleinen nepalesischen Dorf Chapagaon geleistet: Sie bauten mit am Waisenhaus Shangrila, das im nächsten Jahr vollendet werden soll.

Es war dies der sechste Einsatz des Reutlinger Vereins "Bauen-und-Begegnen e.V." in der Dritten Welt. Diesmal unterstützten vorwiegend Absolventen der Kerschensteinerschule die Aktion, Hand in Hand mit der Aalener Initiative Govinda. Diese hatte nicht nur Kräfte abgestellt, sondern obendrein durch Verzicht auf Teile des eigenen Einkommens, durch Spendensammlungen und eine Erbschaft finanzielle Mittel für das Projekt in Nepal zusammengetragen.

Der Einsatzort Chapagaon liegt zwölf Kilometer von der Hauptstadt Kathmandu entfernt, was wegen der schlechten Straßenverhältnisse aber eine gute Fahrtstunde im Auto bedeutet.

Häufig blockierten Erdrutsche die Zufahrten, der anhaltende Monsunregen in den Vorbergen des Himalaya erschwerte die Arbeiten. Meist waren die Kleider durch und durch so nass wie die Baustelle. "Aber erstaunlich gelassen und mit Humor" (so der Bericht eines Teilnehmers) "ertrugen die Jungmeister diese Unbilden."

Ja, als die Baumaterialien knapp wurden, schleppten sie selbst den Sand, die Steine und Ziegel auf die einheimische Technik herbei: im Korb auf dem Rücken, die Last durch ein Band auf die Stirn verlegt.

Wo Reis das Hauptnahrungsmittel darstellt, mussten die Deutschen dennoch nicht auf abwechslungsreiche Kost verzichten: Gertraud Freudenreich und ihre Küchencrew bereiteten aus nepalesischen Agrarprodukten auch echt schwäbische Hausmannskost wie Kässpätzle - freilich mit Hartkäse von Yaks, dem urwüchsigen tibetanischen Rind. Besonders aufwendig war die Trinkwasserbereitung: Erst abkochen, dann filtern war die Regel; denn Infektionen galt es auf jeden Fall vorzubeugen.

Neben den Arbeiten am Waisenhaus Shangrila erfüllten die Reutlinger und Aalener auch eine Bitte der benachbarten Schule. Eine Toilette sollte eingerichtet werden, eine Kläranlage war dafür ebenso anzulegen. Lehrer und Schüler packten selbst mit an, ob bei den Ausschachtungen oder beim Ziegelnachschub fürs Mauerwerk. Äußerlich glich diese Schule eher einem Schuppen, mit unverputzten Wänden und unverglasten Gitterfenstern, fast abrissreif. Dennoch erhalten hier bis zu achtzig Schüler ihren Unterricht - in einer Klasse. Die deutschen Helfer gewannen den Eindruck, dass die Lehrer fast übermenschliche Leistungen vollbringen, aber auch die Schüler mit viel größerer Aufmerksamkeit bei der Sache sind als hierzulande. Zur Abschiedsfeier führten die Kinder graziöse Tänze ihres Landes auf und überreichten Blumenkränze.

Die Wochenenden nutzten die Reutlinger und Aalener nicht nur zum Besuch berühmter Bauwerke wie Bodnath, die größte buddhistische Tempelanlage der Welt, und Paschupathinat, eine der wichtigsten Pilgerstätten des Hinduismus. Auch die Leprastation Shanti lernten sie kennen, von der Dortmunderin Marianne Gospietsch initiiert, und die Krankenstation der Ärztin Pushba Dott, die aidskranke Frauen und Kinder betreut. So bekamen die Teilnehmer dieser Aufbauhilfe einen Eindruck von den sozialen Problemen des Landes. Auf dem Heimflug gab es eine überraschende Begegnung mit dem nepalischen Ministerpräsidenten, der in derselben Maschine zu einer Konferenz mit anderen Staatschefs reiste.

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