Bauen und Begegnen e. V.

Ein Gemeindezentrum für den Slum

Artikel im Reutlinger Generalanzeiger

Der Verein Bauen-und-Begegnen e.V. organisierte diesen Sommer gemeinsam mit der Reutlinger Heilig-Geist-Gemeinde wieder ein Bauprojekt in Afrika: Zehn junge Meister halfen mit, in einem Vorort-Slum einGemeindezentrum zu errichten. Pfarrer Erich Laupheimer von der Heilig-Geist- Gemeinde konnte aus dem Ertrag der diesjährigen Sternsingeraktion zusammen mit Zuschüssen von Miserior und der Diözese Rottenburg eine Hälfte der Kosten für die Aktion sowie die Beschaffung der Baumaterialien leisten, die andere Hälfte erbrachte "Bauen und Begegnen" aus Beiträgen und Spenden.

Es war bereits das fünfte Projekt, für das junge Handwerker aus der Region ihren Jahresurlaub opferten. Nach Baueinsätzen in Simbabwe, Bophuthatswana, Kwandebele und Tanzania ging es diesmal in den Vorstadt-Slum Quakam, die zur Zwei-Millionen-Stadt Dakar im Senegal gehören. Zustande gekommen war der Kontakt durch französischen Militärgeistlichen Bernard Backenstrass, der während seiner Zeit als Geistlicher in Reutlingen mit Pfarrer Laupheimer Freundschaft schloss und heute in Afrika seelsorgerisch tätig ist. Pfarrer Backenstrass hat die Bemühungen der katholischen Basisgemeinde in diesem Slum verfolgt und daraufhin vorgeschlagen, diese zu unterstützen.

So reisten nach einigen Vorbereitungsabenden zehn Mitglieder des Vereins "Bauen und Begegnen" nach Dakar. Sie waren ausgestattet mit dem erforderlichen Werkzeug, das sie nach dem Einsatz den schwarzafrikanischep Kollegen übergaben. Den Preis für die Flugreisen mussten sie selbst tragen. Ein Kindergarten, der wegen der Ferien leer stand, wurde, einfach möbliert, zu ihrer zeitweiligen Heimstatt.

Die Einwohner staunten nicht schlecht, als dann eines Morgens eine Gruppe von "Tubabs" (Weißen) mit riesigen Rucksäcken, beladen mit Flaschen, abgekochtem und gefiltertem Wasser, zu ihrer Arbeitsstelle ging. Dort begannen die Meister gemeinsam mit Schwarzafrikanern ein Gemeindezentrum zu errichten. Es soll in Zukunft verschiedenen Zwecken dienen. Unter anderem ist es für Lese-, Schreib- und Nähkurse sowie Seminare zur Ernährung vorgesehen.

Bei dem Projekt galt es, zahlreiche Schwierigkeiten zu überwinden. Zum Beispiel zwang der Mangel an Rüst- und Schalmaterial zu äußerster Sparsamkeit und zu Improvisationen. Auch stand nur Muskelkraft zur Verfügung, so dass der Beton einer Massivdecke mit Schaufeln auf eine Höhe von gut drei Metern geworfen wurde. Dies alles bei nahezu 40°C Grad im Schatten und einer Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent!

Überhaupt machte der Wechsel zwischenengender Hitze und sturzflutartigen Regenfällen dem Team schwer zu schaffen. Doch die überschäumende Gastfreundschaft und die Zuneigung der Senegalesen ließ diese Unbilden rasch wieder vergessen. Häufig wurden die Helfer in die Familien zum Essen eingeladen und lernten auf diese Weise Kuskus und viele andere Spezialitäten aus dem Land kennen. An den Wochenenden wurde die Heimat der Gastgeber dann näher erkundet, verschiedene Ausflugsfahrten führten hinaus aufs Land, wo noch das ursprüngliche senegalesische Landleben herrscht. Auch eine Fahrt nach der Sklaveninsel Goree, von wo aus bis ins vorige Jahrhundert unzählige schwarzen Sklaven nach Amerika verschifft wurden, ließ dieses dunkle Kapitel in der Beziehung zwischen Schwarz und Weiß aufleben.

Das Gemeindezentrum wird aller Voraussicht nach an Weihnachten eingeweiht werden, das Dach ist drauf, Fenster und Türen sind eingesetzt, die Stromleitungen sind verlegt. Beim Abschied dankte Jean Baptiste Faye, der Sprecher der dortigen Basisgemeinde, den Helfern aus Reutlingen und Umgebung: "Lange werden wir uns an eure Arbeit und die Mühe, die ihr euch gemacht habt, erinnern. Seid versichert, dass dieses Gebäude ein Segen für seine Umgebung wird. Euer Opfer wird viele Früchte tragen."

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