Bauen und Begegnen e. V.

Durchführung des Projektes "Bauen und Begegnen" in Zimbabwe.

Im Frühsommer 1987 war die Gemeinde Heilig Geist in Reutlingen auf der Suche nach geeigneten Mitwirkenden an ihrem Projekt in Zimbabwe. Die Idee eines Einsatzes in Afrika wurde von den gewerblichen Schulen in Reutlingen sehr gerne aufgenommen. Es meldete sich spontan eine größere Zahl von Interessenten, hauptsächlich aus den Meisterkursen des Bauhandwerks und der Technikerklasse Elektrotechnik.

Der ehemalige Entwicklungshelfer, Oberstudienrat Freudenreich, erklärte sich bereit, den praktischen Teil des Projektes zu organisieren, die Teilnehmer zu betreuen und mit den gastgebenden Jesuiten-Missionaren vor Ort Verhandlungen zu führen. Aus diesem Grund reiste Herr Freudenreich in den Weihnachtsferien 1987/88 nach Zimbabwe und klärte mit Bischof Helmut Reckter in Chinhoyi den Aufenthalt und den Arbeitseinsatz der Reutlinger Gruppe ab.

Die Teilnehmer wie auch die Schule sahen in dem Projekt eine besondere Chance. Natürlich sollte es zunächst um konkrete Hilfe für Menschen in der Dritten Welt gehen. Dafür konnten die neuerworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten, die die Schule vermittelt hatte, dienen. Da- rüberhinaus könnten aber Erfahrungen gemacht werden, die der Unterricht allein nicht vermitteln kann:

An sechs Nachmittagen - außerhalb der Unterrichtszeit - wurden die Teilnehmer in Kursen über den Arbeitseinsatz und seine Bedingungen, über Hygiene in tropischen Ländern und über die politischen Verhältnisse des Gastlandes unterrichtet.

Diese Vorbereitungskurse erwiesen sich als sehr hilfreich. Die Fragen und Anliegen der Teilnehmer kamen schon im Vorfeld zur Sprache und die Erwartungen wurden auf die Realität abgestimmt. Bei diesen Treffen lernten sich die Teilnehmer gegenseitig besser kennen und der Kontakt zu den Lehrern wurde intensiver.

Inzwischen hatten die Planungen den Einsatz an drei Projekten vorbereitet. Für das Projekt in Chitsungo und Kariba wurden als Leiter der deutschen Gruppen und als Ansprechpartner für die Missionsstationen die Studienräte Fritz Stehle und Karl Schäfer benannt; für St.Albert´s Mission Karl Freudenreich, der zugleich der Gesamtverantwortliche der ganzen Aktion und gegenüber Bischof Reckter war. Diese Regelung hat sich sehr bewährt. Schon vor Beginn der Aktion waren, die Gruppen, die Aufgaben und die Kompetenzen geklärt.

Die Reise nach Zimbabwe erfolgte am Samstag, den 2. Juli, und führte von Frankfurt über Sofia nach Harare. In Harare angekommen wurde die Gruppe zu den entsprechenden Missionsstationen gebracht.

Kennzeichnend für den gesamten Einsatz war die Tatsache, daß Baustoffe wie Kies und Zement nur unter größten Schwierigkeiten beschafft werden konnten. Ebenso war Gerüst- und Schalmaterial nur im notdürftigsten Umfang vorhanden, sodaß die Arbeitsvorbereitung viel Improvisationstalent erforderte.

Die letzten vier Tage des Aufenthaltes dienten einer Rundreise zu Sehenswürdigkeiten von Zimbabwe, Die Victoria-Falls, Hwangi-Tierpark und Kariba-Staudamm. Diese Fahrt sollte ein kleiner Dank sein für die harte und schwere Arbeit an den Projekten in den vergangenen Wochen.

Neben all den sichtbaren Aktivitäten, sahen die angehenden Meister und Techniker ihre erste und wichtigste Aufgabe darin, ihre erlernten Fähigkeiten und Kenntnisse an die einheimischen Counterparts weiterzugeben. Selbst der Baufirmenchef sprach davon, daß er vieles dazugelernt habe.

In den Wochen der Zusammenarbeit sind Verbindungen zwischen den Handwerkern entstanden, die weit über die Dauer des Arbeitseinsatzes hinausreichen und dem Austausch von Gedanken dienen werden.

Trotz der Probleme, die die Unterbringung und Verpflegung der Teilnehmer mit sich brachten, und trotz der Mehrbelastung für die Patres und die Missionsstationen war der Einsatz eine enorme Hilfe. So lautet das Urteil eines Paters: "Ihr habt uns um mindestens vier Jahre vorangebracht" und "Ihr wart uns eine große Hilfe." Abgesehen von der wichtigen Hilfe, war der Aufenthalt so vieler junger Leute auch eine Abwechslung in dem entsagungsvollen Leben der Patres, die oft in völliger Einsamkeit ihren schweren Dienst tun müssen.

Ein Wort noch zu den afrikanischen Mitarbeitern. Sie standen zunächst dem Vorhaben und den fremden Handwerkern mit dem, für sie ungewohnten Arbeitstempo skeptisch gegenüber. Als sie sich aber als gleichberechtigte Mitglieder des Teams bestätigt sahen, schlug diese Stimmung in Begeisterung um. So schreibt Pater G. Hipler in seinem letzten Brief: "Es ist ja nicht nur der materielle Nutzen, den wir haben. Eure Begegnung mit den Afrikanern hat hier einen bleibenden Eindruck hinterlassen."

Die kirchliche Öffentlichkeit hat in Zimbabwe diese Vorgänge mit großer Anteilnahme aufgenommen. Das Fernsehen in Zimbabwe hat einen Film darüber gedreht und der deutsche Botschafter, Herr Kilian, hat bei seinem Besuch in St. Albert´s mit großem Interesse die Arbeiten verfolgt. Selbst in einer New Yorker Zeitung war ein Artikel über diesen Einsatz veröffentlicht.

Für die Teilnehmer des Einsatzes waren die Wochen in Afrika ein großer Gewinn. Sie konnten nicht nur wirksam helfen; sie haben selber Erfahrungen gemacht und konnten Begegnungen haben, die unvergeßlich sind. Lehrer, wie junge Meister möchten allen danken, die solchen Entwicklungseinsatz möglich gemacht haben durch finanzielle und ideelle Unterstützung. Es bleibt zu hoffen, daß dieser Einsatz bald seine Fortsetzung findet, denn es ist noch viel zu tun.

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